The Social World of Older People

Liest man erstmals den Haupttitel „The Social World of Older People“ von Christina Victor, Sasha Scambler und John Bond (2009), erscheint es sicher nicht ganz abwegig, in dieser ausführlichen Studie auch etwas über das Konsumverhalten der untersuchten Bezugsgruppe zu erfahren. Dies dürfte selbst dann noch gelten, wenn man den Untertitel „Understanding Loneliness and Social Isolation in Later Life“ zur Kenntnis nimmt.

Immerhin dürften die verschiedensten Konsumaktivitäten dazu beitragen, gegenüber Einsamkeit und Isolation temporär Abhilfe zu schaffen. Doch wie schon in dem fast gleichnamigen Sammelband Older People and their Social World erfährt man auch in dieser Studie so gut wie gar nichts über derartige Konsumaktivitäten. Allenfalls indirekt läßt sich darüber etwas ableiten.

Das Aussparen von Konsum hat wesentlich damit zu tun, daß die AutorInnen das Problemsyndrom „Loneliness“ und „Isolation“ quasi netzwerkanalytisch untersuchen, also über die Netzwerke sozialer Beziehungen, die die befragten Personen jeweils unterhalten (S. 12). Hierbei kommen Konsumaktivitäten verständlicherweise nur am Rande vor.

Ableitbar sind Konsumaktivitäten nun indirekt, indem die durch die AutorInnen vorgenommene Aktivitätserhebung, mit der von Phillipson et al. (2001) verwandt („gardening, watching television, walking, looking after the home, shopping and knitting“, S. 122), entsprechend analysiert wird (die Übersicht findet sich auf S. 84).

Die Erhebung ergab folgende prozentuale Verteilung (S. 111):

  • Civic Activities: Voted in last election (81%), Attended local organization (42%), Used library (40%), Attended church/mosque etc. (29%), Undertaken voluntary work (16%), Attended education/evening class (7%)
  • Cultural Activities: Gone to cinema, theatre (29%)
  • Physical Activities: Gone for a walk (68%), Gardening (59%), Babysitting/childminding (24%), Played sport, gone swimming, etc. (20%), Looking after someone who was ill/frail (17%)

Ferner ist das Erkenntnisinteresse der AutorInnen an der Erforschung der „minutiae of daily life as it is lived and experienced by older people“ bemerkenswert, also die kleinteilige, detailverliebte „Vivisektion“ der (konsumistischen) Lebensführung älterer Menschen. Diesbezüglich sei das Zitat auf S. 118 empfohlen, in dem es um den routinemäßigen Wochenrhythmus eines Befragten von Montag bis Sonntag geht, oder auch der kurze Abschnitt zu „Pets“ (S. 124 f.).

Für die Durchführung eigener Forschung empfiehlt sich außerdem der Leitfaden auf S. 78f.

Schließlich sei noch auf eine Beobachtung hingewiesen, die sich schon in Older People and their Social World findet, nämlich die Diskussion eines „social dilemma“ für Männer im Ruhestand (S. 120):

This illustrates the problem: there is the need to develop interests and social networks before retirement, if possible, to make the transition less isolating. Not only is there a void of time, routine and structure to fill but, in the cases of predominately male participants with long working hours, there are no existing social interests to fill it with. A lack of social activities and relationships outside of work prior to retirement was seen to predominantly affect men. One man reflected on the fact that, in his generation, men were more likely to work outside the home whilst women were more likely to work home. Thus, as they aged, women were able to continue activities previously undertaken whilst men, on retirement, had to find alternative ways to occupy their time.

Und dieses „had to find“ ist eben das „social dilemma“.

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